Türkiyes langfristige Klimastrategie 2053 wurde auf der COP 29 bekannt gegeben!
Türkiyes langfristige Klimastrategie 2053: Die auf der COP 29 vorgestellte Zukunftsvision
Auf der Klimakonferenz COP 29, die vom 11. November bis zum 22. November 2024 unter der Gastgeberschaft von Aserbaidschan stattfand, unternahm die Türkei einen wichtigen Schritt und gab ihre langfristige Klimastrategie 2053 bekannt. Diese Strategie legt die langfristigen Schritte fest, die die Türkei unternehmen wird, um den Klimawandel zu bekämpfen und ihre Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Die Strategie bietet neue Roadmaps zu vielen wichtigen Themen wie der Reduzierung der Kohlenstoffemissionen in der Türkei, den Auswirkungen moderner Bewässerungssysteme auf die Wassereffizienz, den Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele und der Rolle des Agrarsektors in diesem Prozess.
Netto-Null-Emissionsziel: Null CO2-Emissionen bis 2053
Eines der wichtigsten Ziele der langfristigen Klimastrategie der Türkei ist das Erreichen des Ziels von Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2053. Die Türkei strebt an, ab 2038 mit der Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu beginnen und bis 2053 ein Niveau zu erreichen, das alle Kohlenstoffemissionen ausgleicht. Im Einklang mit diesem Ziel ist die Implementierung neuer Instrumente wie Kohlenstoffpreismechanismen und des Emissionshandelssystems (ETS) geplant.
Die Türkei strebt an, jährlich 1,7 % des Nationaleinkommens für grüne Investitionen aufzuwenden. Diese Investitionen werden eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Klimaziele des Landes spielen. Diese Investitionen, die sowohl im Energiesektor als auch in der Landwirtschaft getätigt werden, werden ein wichtiges Instrument zur Kontrolle der Kohlenstoffemissionen sein.
Agrarsektor und Treibhausgasemissionen
Die Landwirtschaft nimmt unter den Sektoren, die in der Türkei Treibhausgasemissionen verursachen, einen wichtigen Platz ein. 60 % des Methangases stammen aus dem Agrarsektor. Das durch enterische Fermentation in der Landwirtschaft freigesetzte Methangas fällt als bedeutende Treibhausgasquelle auf. Um die Ziele für 2053 zu erreichen, ist die Transformation im Agrarsektor von großer Bedeutung.
Treibhausgasemissionen im Agrarsektor resultieren insbesondere aus folgenden Prozessen:
- Enterische Fermentation (Methanfreisetzung im Verdauungssystem von Tieren): 53,5 %
- Bearbeitung von landwirtschaftlichen Flächen: 31,2 %
- Düngermanagement: 13,1 %
Die grundlegenden Schritte zur Reduzierung dieser Emissionen sind:
- Verbesserung der Fütterungstechniken und Studien zur Tiergesundheit, um die Methanemissionen aus der Tierhaltung zu reduzieren.
- Reduzierung des Einsatzes von chemischen Düngemitteln und Förderung der Verwendung von organischem Dünger.
- Minimierung des Einsatzes von Pestiziden und Antimikrobiotika.
- Das Management von Verlusten, Abfällen und Rückständen in der landwirtschaftlichen Produktion wird verbessert und Recyclingsysteme werden verbreitet.
Eine neue Ära im Wassermanagement beginnt
Eines der wichtigsten Ziele der langfristigen Klimastrategie 2053 der Türkei ist die effiziente Nutzung der Wasserressourcen. In der Türkei liegt die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge zwischen 2013 und 2023 bei 591,5 mm. Der gesamte jährliche Wasserverbrauch beträgt 57 Milliarden Kubikmeter, wovon 44 Milliarden Kubikmeter (77 %) für die Bewässerung verwendet werden. Während die Wasserressourcen jedoch stetig abnehmen, ist eine effizientere Nutzung dieser Ressourcen sowohl für die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion als auch für den Kampf gegen den Klimawandel von lebensnotwendiger Bedeutung. Die Türkei strebt an, die Bewässerungseffizienz um 65 % zu steigern, und es werden erhebliche Investitionen getätigt, um dieses Ziel zu erreichen.
Übergang zu modernen Bewässerungssystemen
Die Türkei hat einen umfassenden Plan für die nachhaltige Bewirtschaftung von Boden- und Wasserressourcen erstellt. Eines der wichtigsten Elemente dieses Plans ist die Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Bewässerungssysteme. Offene Kanalbewässerungssysteme werden in geschlossene Systeme umgewandelt, die eine effizientere Wassernutzung ermöglichen. Mit dieser Umstellung werden Wasserverluste minimiert und die Bewässerungsvorgänge viel präziser gesteuert.
Automatisierung und Digitalisierung: Intelligente Bewässerungssysteme
Ein weiterer Weg zur Steigerung der Bewässerungseffizienz ist der Einsatz von Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien. Bewässerungssysteme werden mit Sensoren ausgestattet, die Parameter wie Bodenfeuchtigkeit, Temperatur, Niederschlag und Bewässerungsbedarf messen. Dank dieser Sensoren wird ein System etabliert, das sicherstellt, dass Wasser nur so viel wie nötig verbraucht wird. Zudem können Bewässerungsvorgänge durch Fernerkundung und digitale Überwachungstechnologien in Echtzeit verfolgt werden. So wird die von jeder Pflanze benötigte Wassermenge genau bestimmt und Wasserverschwendung verhindert.
Bewässerung mit erneuerbaren Energiequellen
Insbesondere in Regionen mit Pumpbewässerung wird ein Großteil der für die Bewässerungsvorgänge verwendeten Energie durch fossile Brennstoffe bereitgestellt. Dieser Prozess wird jedoch durch die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen umweltfreundlicher gestaltet. Solarenergie, Windenergie und andere erneuerbare Energiesysteme werden eingesetzt, um den Energiebedarf von Bewässerungsanlagen zu decken. Zudem werden Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie errichtet und diese Anlagen werden direkt den Landwirten zur Verfügung gestellt, wodurch deren Energiekosten erheblich gesenkt werden.
Regenwassernutzung
Regenwasser ist die natürlichste und umweltfreundlichste Quelle für die landwirtschaftliche Bewässerung. Die Türkei plant, die Regenwassernutzung zu fördern. Auf landwirtschaftlichen Flächen werden Regenwassernutzungssysteme installiert, um die Speicherung von Wasser aus Niederschlägen zu gewährleisten.
Bewässerungsstrategien und sektoraler Wandel
Bewässerungssysteme werden nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion sicherstellen. Durch geplante Produktionsmodelle werden Bewässerungsnetze und -systeme auf der Grundlage von Boden- und Wasserressourcen sowie Klimaprojektionen optimiert. Da der Wasserbedarf, die klimatischen Bedingungen und die Arten landwirtschaftlicher Erzeugnisse in jeder Region unterschiedlich sind, werden auch die Bewässerungsstrategien nach lokalen Bedürfnissen gestaltet.
Schritte für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft werden unternommen
Die Türkei beabsichtigt, die Bildungs- und Sensibilisierungsbemühungen zu beschleunigen, um die nachhaltige Produktion im Agrarsektor zu steigern und emissionsarme Produktionstechniken zu verbreiten. Mit Schulungsprogrammen für Landwirte, speziellen Unterstützungen für Landwirtinnen und Strategien mit Fokus auf Gleichstellung der Geschlechter wird erwartet, dass ein nachhaltigerer Produktionsprozess in der Landwirtschaft geschaffen wird. In diesem Sinne werden Landwirte in ökologischem Landbau und klimasensiblen Landwirtschaftstechniken geschult, wodurch umweltfreundliche Methoden in der Landwirtschaft übernommen werden.
Reduzierung von landwirtschaftlichen Abfällen und Verlusten
In der langfristigen Klimastrategie der Türkei nimmt auch das Management landwirtschaftlicher Abfälle einen wichtigen Platz ein. Um Verluste und Abfälle in der landwirtschaftlichen Produktion zu reduzieren, werden Recyclingsysteme und Ansätze der Kreislaufwirtschaft gefördert. In diesem Prozess werden auch Schritte wie die Reduzierung des Einsatzes von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die Förderung der Verwendung von organischem Dünger unternommen.
Nachhaltige Landwirtschaft und klimasensible Praktiken
Die Türkei wird klimasensible Landwirtschaftstechniken verbreiten, um Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu gewährleisten. Dies zielt darauf ab, sowohl die ökologische Nachhaltigkeit als auch die Effizienz in der Landwirtschaft zu steigern.
- Große Schritte werden für das Boden- und Wassermanagement, den Schutz landwirtschaftlicher Flächen und die Verbesserung der Bodengesundheit unternommen. Die Menge an organischer Bodensubstanz wird erhöht und die Wasser- sowie Kohlenstoffspeicherkapazität des Bodens wird gestärkt.
- Der Einsatz von chemischen Düngemitteln wird auf der Grundlage von Boden- und Wasseranalysen reduziert. Landwirte werden im Umgang mit Düngemitteln geschult und die Verwendung von organischem Dünger wird gefördert. Bis zum Jahr 2053 werden mindestens 10 % der bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen für ökologischen Landbau und klimasensible Landwirtschaftstechniken genutzt.
- Die Reduzierung des Pestizideinsatzes und die Verwendung alternativer Pestizide werden gefördert. Darüber hinaus werden umfangreiche Schulungsprogramme zur Verbreitung klimasensibler Landwirtschaftstechniken organisiert.
Bildung, Bewusstsein und Kapazitätsaufbau
Der Kampf gegen den Klimawandel wird nicht nur durch technische Lösungen, sondern auch durch gesellschaftliches Bewusstsein und Bildung gestärkt. Die Türkei strebt an, Bildungs- und Kapazitätsaufbaumaßnahmen zur nachhaltigen Produktion in der Landwirtschaft zu verstärken. Diese Schulungen werden insbesondere auf Landwirtinnen ausgerichtet und unter der Perspektive der Gleichstellung der Geschlechter verbreitet.
Schulungen für Landwirte:
- Emissionsarme Produktionsmethoden
- Einsatz neuer Technologien
- Klimasensible Landwirtschaftstechniken
Diese Schulungen werden es den Landwirten ermöglichen, nachhaltig und effizient zu produzieren, und stellen zusammen mit der Steigerung der Effizienz einen wichtigen Schritt zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen dar.
Grüne Investitionen und die Bedeutung nachhaltiger Landwirtschaft
Türkiyes langfristige Klimastrategie 2053 zielt auf eine große Transformation ab, nicht nur in ökologischer, sondern auch in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Um die Klimaziele zu erreichen, ist vorgesehen, jährlich 1,7 % des Nationaleinkommens für grüne Investitionen aufzuwenden. Mit Reformen in Bereichen wie grünen Investitionen, nachhaltiger Landwirtschaft und Wassermanagement unternimmt die Türkei einen wichtigen Schritt im Kampf gegen den Klimawandel.
Diese Strategie wird die Synergie zwischen dem Agrarsektor und dem Energiesektor stärken und nachhaltige Lösungen für eine emissionsarme Produktion bieten. Die Türkei wird ihr Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2053 verwirklichen und gleichzeitig ein großes Beispiel für nachhaltige Entwicklung sein.
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